SanDisk hat mit seinem Geschäftsbericht für das vierte Quartal 2026 einen ungewöhnlich detaillierten Einblick in die künftige Versorgung mit NAND-Flash-Speicher gegeben. Eine Präsentationsfolie über sogenannte „New Business Model“-Verträge (NBM) zeigt, warum bei SSDs vorerst kaum mit deutlich sinkenden Preisen zu rechnen ist.
Siehe auch hier:
SanDisk hat langfristige Liefervereinbarungen mit acht großen Kunden aus den Bereichen Rechenzentren und Edge-Computing abgeschlossen. Klassische Hersteller von PCs, Notebooks und Smartphones gehören offenbar nicht zu diesen Kunden. Die Verträge laufen bis zu fünf Jahre; ihre gewichtete durchschnittliche Laufzeit beträgt mehr als vier Jahre.
Von Juli 2026 bis Juni 2027 sind durch diese Verträge bereits mehr als 50 Prozent der von SanDisk produzierten Speichermenge gebunden. Im darauffolgenden Geschäftsjahr 2028 sollen es ungefähr zwei Drittel sein. Andere, außerhalb dieses Vertragsmodells bestehende Lieferverpflichtungen sind dabei noch nicht berücksichtigt. Für den freien Markt und damit auch für PC- und SSD-Hersteller bleibt entsprechend weniger Speicher verfügbar.
Die acht Vertragsbeziehungen haben bei Zugrundelegung der vereinbarten Mindestpreise einen Gesamtwert von mindestens 93,9 Milliarden US-Dollar. Die noch ausstehenden Leistungsverpflichtungen betrugen am Quartalsende 59,8 Milliarden Dollar. Einschließlich zweier erst nach Quartalsende abgeschlossener Verträge erhöht sich dieser Betrag auf 91,1 Milliarden Dollar.
Die Kunden haben außerdem finanzielle Sicherheiten von insgesamt 16,5 Milliarden Dollar hinterlegt beziehungsweise garantiert. Damit ist SanDisk geschützt, wenn ein Kunde weniger Speicher abnimmt als vereinbart.
Die Preise in den Verträgen bestehen aus festen und variablen Bestandteilen. Für den variablen Teil gelten Preisunter- und Preisobergrenzen. Nach Angaben des Unternehmens sollen selbst die Mindestpreise noch attraktive Gewinnmargen ermöglichen. Solche Verträge verringern die sonst starken Preisschwankungen auf dem NAND-Markt. Gleichzeitig sinkt für die Hersteller der Anreiz, sich gegenseitig mit niedrigen Preisen zu unterbieten.
Geschäftszahlen von SanDisk
Die starke Nachfrage und die gestiegenen Preise zeigen sich deutlich in den Ergebnissen des zweiten Kalenderquartals beziehungsweise vierten SanDisk-Geschäftsquartals

Rund ein Drittel des Umsatzwachstums entstand durch größere Verkaufsmengen. Zwei Drittel waren auf höhere Preise zurückzuführen. Ein Jahr zuvor arbeitete SanDisk wegen der damals niedrigen Speicherpreise noch nahe an der Verlustgrenze. SanDisk-Geschäftsergebnis
Bedeutung für SSD-Käufer
Die Schlussfolgerung des Heise-Berichts lautet: Große Rechenzentrums- und KI-Kunden sichern sich langfristig einen erheblichen Teil der verfügbaren NAND-Produktion. Für normale SSDs, PCs und Notebooks bleibt weniger freie Kapazität übrig. Deshalb dürften SSD-Preise kurzfristig hoch bleiben und möglicherweise weiter steigen.
Das ist allerdings keine Garantie für dauerhaft hohe Endkundenpreise. Auch die Produktion von Samsung, SK Hynix, Micron, Kioxia und chinesischen Herstellern sowie ein späterer Ausbau der Fertigungskapazitäten beeinflussen den Markt.
Hier der komplette Bericht:
Eine einzige Herstellerfolie zeigt, wie schlecht es um SSD-Preise steht
Einer der größten SSD-Hersteller gibt einen Einblick in seine Langzeitverträge. Der meiste Speicher für die nächsten zwei Jahre ist schon zugewiesen.
M.2-SSDs für PCs und Notebooks bringen Sandisk das wenigste Geld, sind aber auch selbst für aktuelle Verhältnisse überteuert. U7
07.08.2026, 17:00 Uhr – Lesezeit: 3 Min.
Von Mark Mantel
Sandisk hat seinen neuesten Geschäftsbericht veröffentlicht und er verheißt nichts Gutes für Endkunden. Eine Folie zu den „neuen Geschäftsmodellen“ (New Business Models, NBMs) fasst den schlechten Ausblick zusammen.
NBMs nennt Sandisk seine Langzeit-Lieferverträge mit Großkunden für NAND-Flash-Speicher und fertige SSDs. Acht Stück hat der Hersteller mit Kunden für Rechenzentren und Edge-Geräte abgeschlossen. PC-, Notebook- oder Smartphone-Hersteller sind offenbar nicht dabei. Die Verträge laufen typischerweise vier bis fünf Jahre.
Text der abgebildeten Herstellerfolie

New Business Models („NBMs“)
- 8: Customers signed across Datacenter and Edge
- $93.9B: Minimum contracted NBM revenue at floor pricing
- $59.8B: RPO at quarter-end; $91.1B incl. deals signed after
- $16.5B: Financial guarantees: cash deposits and instruments
- 1/2: of bits committed under NBMs in FY2027
- ~2/3: of bits committed under NBMs in FY2028
- 4+ yrs: weighted average duration, up to 5 years
Weitere Angaben auf der Folie:
- Signed five more agreements: three new customers, two expansions; three closed pre-quarter-end and two after quarter-end
- Pricing blends fixed and variable elements, with the variable portion subject to floors and ceilings – attractive margins even at floor pricing
- Supply and demand commitments are defined by year and by quarter, giving clearer operational visibility and added financial protection
- Guarantees release toward the end of each agreement, so coverage relative to remaining obligations rises over time
- Highly selective on new NBMs: strategic customers, ~five-year duration, growing volumes, and attractive financials
Bildunterschrift: Sandisks Langzeit-Lieferverträge haben es in sich. Die „Remaining Performance Obligation“ (RPO) zum Quartalsende ist nur deutlich niedriger als der NBM-Wert, weil zwei Verträge erst nach Quartalsende abgeschlossen wurden. (Bild: Sandisk)
Für den Zeitraum von Juli 2026 bis Ende Juni 2027 hat Sandisk bereits die Hälfte seiner Speicherproduktion den acht NBM-Kunden zugewiesen. Für die darauffolgenden zwölf Monate sind es laut Bekanntmachung sogar zwei Drittel. Und da ist noch nicht das Kontingent für die Verträge abseits der NBMs inkludiert. So oder so ist klar, für PC-Hersteller bleibt folglich immer weniger übrig. Die acht Verträge sehen derweil aufsummiert Garantien im Wert von 16,5 Milliarden US-Dollar vor, falls die Kunden weniger Speicher kaufen als vereinbart.
Die Angaben zeigen insbesondere, wie es um NAND-Flash-Speicher und SSDs steht: Sandisk ist weltweit der zweitgrößte reine NAND-Flash- und SSD-Hersteller. Anders als bei Samsung, SK Hynix und Micron sind die Zahlen nicht mit DRAM für Arbeitsspeicher vermischt.
Fast 94 Milliarden US-Dollar Mindestwert
Alle acht Verträge haben einen gemeinsamen Wert von mindestens 93,9 Milliarden US-Dollar. Sandisk stellt klar: Dieser Wert gilt für die niedrigsten vereinbarten NAND-Flash-Preise. Die Unternehmen haben Spannen ausgehandelt, je nachdem, wie die Verfügbarkeit ausfällt. Finanzchef Luis Visoso sagte in einer Analystenkonferenz zu den Zahlen, dass der tatsächliche Umsatz wahrscheinlich höher sein wird. Selbst bei den niedrigsten Preisen soll die Marge jedoch attraktiv sein.
Alle Speicherhersteller verhandeln derzeit Langzeit-Lieferverträge, meistens mit Preiskorridoren. Dadurch nehmen sie selbst Volatilität aus dem Markt: Wenn alle hohe Mindestpreise festlegen, unterbieten sie sich nicht mehr signifikant gegenseitig. Die Mindestpreise entsprechen typischerweise dem jetzigen Niveau. Eine Rückkehr zu den Speicherpreisen aus dem Jahr 2025 ist damit unwahrscheinlich.
Umsatz und Gewinn steigen signifikant
Sandisk hat im zweiten Kalenderquartal neun Milliarden US-Dollar umgesetzt. Allein gegenüber dem ersten Quartal 2026 entspricht das 51 Prozent Wachstum. Laut Hersteller ist ein Drittel des Wachstums auf zusätzliche Verkäufe und zwei Drittel auf höhere Preise zurückzuführen. Die Bruttomarge liegt bei enormen 84,6 Prozent.
Davon bleiben gut sieben Milliarden Betriebsgewinn und knapp sieben Milliarden Nettogewinn übrig. Ein Jahr zuvor machte Sandisk noch 23 Millionen US-Dollar Nettoverlust. Aufgrund der damals niedrigen SSD-Preise operierte das Unternehmen an der Grenze zur Profitabilität.

Kioxia wächst noch kräftiger
Der größte reine NAND-Flash-Hersteller Kioxia aus Japan hat Ende Juli seinen neuesten Geschäftsbericht veröffentlicht. Die Firma hat im zweiten Quartal 2026 umgerechnet elf Milliarden US-Dollar umgesetzt. Aufgrund höherer Betriebsausgaben und vor allem Steuern bleibt davon aber wesentlich weniger Gewinn übrig als bei Sandisk: knapp 5,3 Milliarden US-Dollar.
Kioxia hält sich zu seinen Langzeitverträgen deutlich bedeckter als die Konkurrenz. Sie existieren, Details sind jedoch unbekannt.
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