Die Position des Club of Rome zur Klimakrise lässt sich am besten als ganzheitlich, systemisch und radikal (im Sinne von „an der Wurzel packend“) beschreiben. Leider können oder wollen zu viele Entscheider in Politik und Wirtschaft nicht in der notwendigen Geschwindigkeit mitarbeiten.
Die Vermeidung der Klimakatastrophe ist laut Club of Rome machbar und finanzierbar – die Kosten für das Handeln (geschätzt auf 2–4 % des globalen BIP jährlich) sind um ein Vielfaches geringer als die Kosten des Abwartens („Too Little, Too Late“).
Das Nadelöhr ist jedoch kein technologisches, sondern ein politisches und gesellschaftliches: Nur durch eine faire Verteilung der Lasten und die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts lässt sich der notwendige Wandel politisch durchsetzen.
Die aktuelle Position basiert maßgeblich auf dem 2022 veröffentlichten und kontinuierlich weiterentwickelten internationalen Flaggschiff-Bericht „Earth for All“ (sowie den länderspezifischen Analysen, wie Earth for All Deutschland):
1. Klima und Soziales gehören untrennbar zusammen
Die zentrale Kernbotschaft lautet: Ohne soziale Gerechtigkeit gibt es keinen Klimaschutz.
Der Club of Rome warnt eindringlich davor, dass wachsende Ungleichheit das Vertrauen in demokratische Institutionen zerstört.
Wenn die reichsten Prozente der Weltbevölkerung die Hauptverantwortung für den CO₂-Ausstoß tragen, während die ärmere Bevölkerung die Lasten der Transformation tragen soll, führt dies zu gesellschaftlicher Polarisierung und Blockaden.
Klimaschutz funktioniert nur, wenn gleichzeitig die soziale Sicherheit garantiert ist.
2. Die „fünf Kehrtwenden“ (The Five Turnarounds)
Um eine Klimakatastrophe und den drohenden gesellschaftlichen Kollaps bis Mitte des Jahrhunderts abzuwenden, fordert der Club of Rome den „Riesensprung“ (Giant Leap) – eine sofortige, tiefgreifende Transformation des globalen Wirtschaftssystems durch fünf ineinandergreifende Kehrtwenden:
- Energie-Kehrtwende: Ein radikaler, subventionsfreier Ausstieg aus fossilen Energieträgern und der konsequente Übergang zu sauberer Energie, um Netto-Null-Emissionen bis spätestens 2050 zu erreichen. Dabei muss der weltweite Energiegebrauch drastisch effizienter gestaltet werden.
- Ernährungs-Kehrtwende: Umstellung auf eine regenerative und nachhaltige Landwirtschaft. Das globale Ernährungssystem muss so transformiert werden, dass es die planetaren Grenzen schont und gleichzeitig eine gesunde Ernährung für alle Menschen sichert.
- Armuts-Kehrtwende: Eine massive wirtschaftliche und technologische Unterstützung des Globalen Südens, damit dieser die Armut überwinden kann, ohne den fossilen Entwicklungspfad des Westens zu wiederholen.
- Ungleichheits-Kehrtwende: Eine strikte Umverteilung von Wohlstand (z. B. durch progressive Steuern und Vermögensabgaben). Ziel ist es, dass das reichste Zehntel einer Bevölkerung maximal das Doppelte dessen besitzt, was die ärmere Hälfte erwirtschaftet.
- Frauenemanzipation (Gender Equity): Die vollständige Gleichstellung von Frauen in Bildung, Politik und Wirtschaft, was nachweislich zu stabileren, krisenresilienteren Gesellschaften und einer Stabilisierung der Weltbevölkerung führt.
3. Abschied vom blinden Wirtschaftswachstum
Der Club of Rome hält das Festhalten am traditionellen, rein quantitativen BIP-Wachstum in den Industrienationen für unvereinbar mit der planetaren Belastbarkeit.
Gefordert wird der Übergang zu einer „Wohlergehens-Ökonomie“ (Well-being Economy). Wirtschaftlicher Erfolg darf nicht mehr am reinen Durchsatz von Ressourcen gemessen werden, sondern daran, wie gut ein System das Leben der Menschen sichert, während die Ökosysteme regeneriert werden.
In hochentwickelten Ländern bedeutet dies auch den harten Übergang von einer linearen Wirtschaft hin zu einer echten Kreislaufwirtschaft. Ohoh 🫣

