US-Präsident Trump versucht, den Klimawandel mit aller Macht zu ignorieren. Dafür lässt seine Regierung nun wohl sogar einen Nasa-Satelliten zerstören. Ein deutsches Projekt will wichtige Daten retten.
Donald Trump will die Klimakrise nicht wahrhaben. Er glaube nicht an den menschengemachten Klimawandel, hat der US-Präsident wieder und wieder gesagt; im vergangenen Präsidentschaftswahlkampf sprach Trump von »einer der größten Betrügereien aller Zeiten«.
Und das, obwohl zahllose wissenschaftliche Untersuchungen nachweisen, dass die von Menschen verursachten Treibhausgasemissionen für die teils massiven Klimaveränderungen der vergangenen Jahrzehnte verantwortlich sind. Und obwohl stetig neue Messdaten belegen: Die globale Erwärmung schreitet rapide voran.
Diese unbequeme Wahrheit ist unerwünscht in Trumps zweiter Amtszeit.
Seit der 79-jährige Klimawandel-Atheist wieder ins Weiße Haus eingezogen ist, arbeitet die neue Regierung daran, Klima- und Wetterdaten zu unterdrücken oder sie schlechter verfügbar zu machen. Nun hat Washington die Weltraumbehörde Nasa angewiesen, ihre zwei großen Satellitenmissionen zum Überwachen klimaschädlicher Treibhausgase abzubrechen.
Die beiden sogenannten »Orbiting Carbon Observatories« messen aus dem All die Konzentration von Kohlendioxid (CO₂) und das Pflanzenwachstum rund um den Globus. Ihre Messgeräte sind teils an der Internationalen Raumstation angebracht, teils an einem eigenen Satelliten, der zerstört würde, wenn die Nasa die Mission aufgäbe.
Die Technik beider Missionen ist laut den Berichten auf dem neuesten Stand und würde den beteiligten Wissenschaftlern zufolge voraussichtlich noch viele Jahre lang funktionieren. Eine Prüfung der Nasa im Jahr 2023 ergab, dass die Messdaten von außergewöhnlich hoher Qualität waren und empfahl, die Missionen für mindestens drei Jahre fortzusetzen.
Abschaltungen, Entlassungen, Schließung.
Dass die Trump-Regierung sie trotzdem plötzlich aufgeben will, legt den Schluss nahe: Washington will verhindern, dass die Informationen zur CO₂-Konzentration und dem Wachstum von Pflanzen weiter erhoben und veröffentlicht werden.
erhoben und veröffentlicht werden. Das Vorgehen der Regierung fügt sich ein in eine lange Liste ähnlicher Maßnahmen.
Im Mai gab die Klimabehörde Noaa bekannt, sie werde ihre »Billion-Dollar Weathers and Climate Disasters«-Datenbank nicht mehr fortführen. In ihr sammelten die Experten seit 1980 Informationen über Extremwetterereignisse, die Schäden von mindestens einer Milliarde Dollar verursachten. Allein 2024 gab es laut der Statistik in den USA 27 solcher Ereignisse mit einem Gesamtschaden von 182,7 Milliarden Dollar. Das soll die Öffentlichkeit in Zukunft offenbar nicht mehr erfahren.
Die Trump-Regierung hat bereits Hunderte Wissenschaftler und Mitarbeitende der Noaa entlassen, darunter fast das gesamte Team hinter der Website climate.gov, die die Bevölkerung über Ursachen und Folgen des Klimawandels aufklärte. climate.gov stellte den Betrieb ein. Im kommenden Jahr will Washington das Budget für die Noaa um mindestens ein Viertel kürzen – und sämtliche Mittel für deren Klima-, Wetter- und Meereslabore streichen.
Trumps Haushaltsentwurf für das kommende Jahr sieht vor, vier Stationen der Noaa auf Hawaii, Amerikanisch-Samoa, in der Antarktis und in Alaska zu schließen, die seit Jahrzehnten die Konzentration von CO₂ und weiterer Treibhausgase in der Luft ermitteln. Unter ihnen ist auch das Mauna Loa Observatory , das seit 1958 diese Daten erhebt. Aus dieser längsten kontinuierlichen Messreihe der Welt hat der Forscher Charles Keeling die Keeling-Kurve ermittelt, die den kontinuierlichen Anstieg von CO₂ in der Atmosphäre zeigt und bis heute ein zentrales Werkzeug der Klimaforschung ist.
Die Katastrophenschutzbehörde Fema nahm kurz nach Trumps Amtsantritt ihren Future Risk Index aus dem Netz: eine kostenlose öffentliche Übersicht, die zeigte, wie hoch die finanziellen Risiken des Klimawandels für Gemeinden in den USA sind.
Die US-Regierung hat die Arbeit am National Climate Assessment, dem nationalen Klimabericht, gestoppt und die fast 400 damit befassten Wissenschaftler entlassen. Die etwa alle vier Jahre aktualisierte Studie erfasste die Folgen des Klimawandels in den USA.
Seit Anfang Juli ist die Website des Global Change Research Program (globalchange.gov) gesperrt. Auf ihr wurden Berichte und Forschungsergebnisse zum Klimawandel veröffentlicht, die der Kongress in Auftrag gegeben hatte, sowie sämtliche bisherigen National Climate Assessments.
Auf zahllosen staatlichen Websites werden nach Trumps Machtübernahme der menschengemachte Klimawandel nicht mehr erwähnt und Erläuterungen zu diesem Thema gelöscht.
Die Gesundheitsbehörde NIH darf künftig nicht mehr die Zunahme klimawandelbedingter Angststörungen unter Jugendlichen untersuchen.
Die US-Umweltbehörde Epa, die von Trumps loyalem Gefolgsmann Lee Zeldin geführt wird, will Treibhausgase künftig nicht mehr als gesundheitsschädigend einstufen. Dies würde dem Kampf gegen den Klimawandel auf Bundesebene die rechtliche Grundlage entziehen.
Trump und seine Regierung »wollen die Boten zusammen mit ihrer schlechten Botschaft austilgen«, sagt der Klimaforscher James Hansen, der jene Botschaft dem US-Kongress schon 1988 verkündete.
Es ist Vogel-Strauß-Politik im großen Stil. »Offensichtlich geht es darum, die Fakten verschwinden zu lassen, sodass die Grundlage für eine aufgeklärte Diskussion entfällt«, sagt Douglas Maraun, Klimaforscher der Universität Graz.
Trump hat einen großen Plan: Er will verstärkt fossile Brennstoffe wie Öl, Gas und Kohle fördern. Und die Bevölkerung soll mitziehen, ohne sich über die Nebenwirkungen Gedanken zu machen. Aktuelle Informationen und Messdaten über den Klimawandel stören da nur.
Deutsche Datenretter
Frank Oliver Glöckner arbeitet daran, die US-Daten zu retten. Glöckner, 56, ist Professor für das Fachgebiet »Erdsystem Datenwissenschaften« an der Universität Bremen und Leiter der Datenplattform Pangaea, die die Uni gemeinsam mit einem anderen Helmholtz-Zentrum betreibt: dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven.
Seit Monaten stehen die Pangaea-Leute mit Angestellten der Klimabehörde Noaa in Kontakt: um bedrohte Datensammlungen aus den USA in Deutschland zu sichern. »Wir haben auf Hilferufe aus der Wissenschaftsgemeinschaft und von Mitarbeitenden der Noaa reagiert. Einige Leute dort verlieren ihren Arbeitsplatz, und mit ihnen könnten Datenströme verschwinden«, erzählt Glöckner im Gespräch mit dem SPIEGEL. »Wir bemühen uns, diese Daten bei uns aufzubewahren und sie öffentlich verfügbar zu machen.«
Die Amerikaner haben Pangaea bereits eine Reihe von Datensätzen geschickt, darunter die monatlichen weltweiten Niederschlagswerte der Jahre 1677 bis 2021 oder die globalen Durchschnittstemperaturen ab 1658. Solche Langzeitmessungen verraten Forschern, wie sich das Klimasystem langfristig verändert. Die Daten aus den USA bewahren die Pangaea-Leute nicht nur in Bremen und Bremerhaven auf, sondern auch bei anderen Mitgliedern eines Datenverbundes von Helmholtz-Instituten, etwa dem Geomar-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel.
Seit vielen Jahren tauscht Glöckner Daten mit US-Institutionen aus. »In letzter Zeit merken wir, dass Zugänge zu Daten erschwert oder ganze Websites abgeschaltet werden«, sagt er. Am meisten Sorgen mache ihm, dass Daten in den USA jetzt womöglich gar nicht mehr erhoben würden, sodass künftig Lücken in langjährigen Messreihen entstünden. »Das lässt sich nie wieder rückgängig machen.«
Die Datensammlungen, etwa die CO₂-Messungen der Nasa-Satelliten, verlieren ihre Aussagekraft. Donald Trump dürfte das gefallen.

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